Checklisten: Wann brauche ich einen Website-Relaunch?

„Wir müssen mal wieder einen Relaunch machen.“ Diesen Satz hört fast jedes Marketing-Team früher oder später. Nur: Kaum jemand kann in dem Moment sagen, warum eigentlich. Und genau das ist das Problem.

💡 In diesem Beitrag zeigen wir Dir, wann sich ein Relaunch lohnt – und welche Alternativen oft besser sind.

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Fünf Typen von Relaunches

Bevor Du überhaupt über einen Relaunch sprichst, lohnt sich eine Sortierung. „Relaunch“ ist kein einheitliches Projekt – es gibt mindestens fünf sehr unterschiedliche Varianten mit unterschiedlichen Auslösern.

1. Der strukturelle Relaunch

Über Jahre wächst eine Website organisch: hier ein Textblock, da eine neue Unterseite. Irgendwann findet niemand mehr, was er sucht. Navigation und Seitenstruktur passen nicht mehr zu den Inhalten oder wichtige Dienstleistungen und Referenzen stecken in der Sidebar. Hierfür ist der strukturelle Relaunch nützlich. Er verbessert die Auffindbarkeit deiner Dienstleistungen und Produkte, sprich: deiner wichtigsten Seiten.

2. Der Shop- oder UX-Relaunch

Dieser Relaunch ist meist extern getrieben. Oft geht es hier um einen Systemwechsel (z. B. von Shopware zu Shopify oder zu einem Headless-System), weil das alte System an seine Grenzen stößt. Oder eine schwache Conversion-Rate, die sich nicht mehr iterativ reparieren lässt, weil zu viele Stellen im System zusammenhängen. In diesen Fällen wird häufig zum Shop- und UX-Relaunch gegriffen.

3. Das Rebranding

Ändert sich das komplette Look-and-Feel der Marke, muss die Website mitziehen. Ein halbes Rebranding wirkt aber inkonsequent und schadet der Markenwirkung mehr, als es hilft. Hier ist der Big Bang tatsächlich die richtige Wahl. Farben, Schriftarten und Logos müssen überall angepasst und die neue Seite der Markenidentität angeglichen werden.

4. Der SEO-Relaunch

Genau genommen gibt es den SEO-Relaunch eigentlich nicht – zumindest nicht als eigenständigen Grund. Wird ein Relaunch rein mit SEO begründet, steckt dahinter meist ein anderes Ziel: ein neues CMS, mehr Flexibilität bei Landingpages oder schlicht freies Budget, das ausgegeben werden soll. Nichtsdestotrotz kann es den SEO-Relaunch trotzdem geben. Zum Beispiel bei Domain-Zusammenlegung, Top-Level-Domain-Wechsel, kaputter interner Verlinkung über tausende Seiten oder gar nach einem Rankingverlust, der nachweislich auf strukturelle bzw. technische Ursachen zurückgeht.

5. Der „Das machen wir alle zwei Jahre“-Relaunch

Der wahrscheinlich häufigste – und am meisten unterschätzte – Typ. Hinter diesem Relaunch-Typen steckt kein konkretes Ziel, sondern einfach nur das interne Bedürfnis, etwas zu verändern. Das Perfide daran: Zwischen den Relaunches passiert oft nichts. Dieser Typ ist der gefährlichste, denn wirklich begründet ist er nicht. Und die meisten Denkfehler typischer Relaunches sind in ihm begründet.

Drei Denkfehler, die zu unnötigen Relaunches führen

Wenn Du Dich für einen Relaunch entscheidest, gehe lieber nochmal einen Schritt zurück: Ist er wirklich nötig? In unserer Praxis sehen wir immer wieder Ausreden und vorgeschobene Gründe, die scheinbar für Relaunches sprechen. Drei Beobachtungen, die sich durch fast jedes Relaunch-Projekt ziehen:

Ohne Messung löst ein Relaunch kein Problem.
Die meisten Relaunches sind intern motiviert: Jemand im Team findet, „das müssten wir mal ändern“. Was fehlt, ist der Blick auf Zahlen, Daten und echtes Nutzerfeedback. Die bessere Frage lautet nicht „Wie soll es aussehen?“, sondern: Wo brechen Nutzer im Funnel ab? An welcher Stelle findet eine Conversion einfach nicht statt, obwohl sie sollte? Und was sagen deine Kunden – nicht dein Team –, wenn Du sie fragst, ob sie gefunden haben, was sie gesucht haben? Diese Datengrundlage brauchst Du, bevor Du überhaupt an einen Relaunch denkst.

Der große Neustart ist oft der bequemste Weg, nicht der beste.
Ein Relaunch mit Stichtag lässt sich super kommunizieren. Iterative Verbesserung im Tagesgeschäft dagegen macht weniger Spaß und fällt schnell hinten runter. Die unbequeme Wahrheit: Kontinuierliches Testen schlägt in den meisten Fällen den Big Bang.

Der Nutzen wird gern schöngerechnet.
Die Kosten eines Relaunches lassen sich gut beziffern: Agentur, Entwicklung, interne Ressourcen. Beim Nutzen wird es aber oft schwammig. Diese Bauchgefühl-Rechnung führt zu Projekten, die sich am Ende nicht rechnen. Eine belastbare Entscheidung braucht echte Daten und ehrliche Annahmen. Aber vor allem braucht es den Mut, ein Projekt auch mal nicht zu starten, nur weil es jemand möchte.

Unterm Strich: Ein Relaunch lohnt sich fast immer aus einem sehr konkreten, messbaren Grund und nie, weil „es mal wieder Zeit wäre“.

Marketing mal ehrlich Podcast

🎧 Relaunch oder nicht – mehr Insights im Podcast

Wir haben uns das Beispiel WEBAC Chemie im Kontext von Website-Relaunches genauer angeschaut.

In unserem Podcast zeigen wir, wie der Hidden Champion seinen Relaunch angegangen ist – und was du für deine eigene Entscheidung daraus mitnehmen kannst.

zur Folge →

Warum iterative Anpassungen oft sinnvoller sind

Iterative Anpassungen sind zwar unspektakulärer als ein großer Relaunch (und intern oft schlechter zu verkaufen), aber in den allermeisten Fällen wirksamer und risikoärmer – aus zwei Gründen.

Erstens sorgen sie für geringere Opportunitätskosten. Das ist schnell erklärt: Wer Monate lang alle Ressourcen in ein einziges Großprojekt bindet, verzichtet in der Zwischenzeit auf jeden kleinen Gewinn, den laufende Optimierungen sofort gebracht hätten. Der Relaunch zahlt sich, wenn überhaupt, erst nach dem Launch aus; die Iteration zahlt sich laufend aus.

Zweitens lässt sich das Risiko besser isolieren. Durch das ständige Testen von Elementen und Seiten wissen Website-Betreiber ganz genau, welche Elemente, welches Wording und welche USPs bei der Zielgruppe ankommen und welche nicht. Iterative Tests und Optimierungen verändern jeweils nur eine Variable. Damit sind Fehler schnell sichtbar und können behoben werden, bevor sie wie im Relaunch erst spät auffallen und dann aufwendig korrigiert werden müssen.

So unterscheiden sich Relaunch und Iteration

Ausnahmen: Wann Relaunches besser sind

Nur bei Rebranding oder einem technischen Zwangswechsel (End-of-Life-System) führt an einem Relaunch tatsächlich kein Weg vorbei. Läuft die Lizenz eines CMS oder Shop-Systems aus, gibt es keinen Support mehr für Sicherheitslücken, oder stößt die technische Architektur endgültig an ihre Grenzen, gibt es schlicht nichts mehr, das sich iterativ verbessern lässt.

Kurz gesagt: Iteration funktioniert nur, wenn es eine stabile Grundlage gibt, auf der sich einzelne Variablen isoliert testen lassen. Fehlt diese Grundlage, etwa weil sie technisch am Ende ist oder weil die Marke sich komplett neu positioniert, ist der Relaunch nicht die bequeme, sondern die einzig sinnvolle Option.

Fünf Checklisten: Finde deinen Relaunch-Typ

Geh die Liste durch, die am ehesten zu deiner Situation passt. Je mehr Punkte zutreffen, desto klarer der Fall. Checkliste 1 ist dabei ein Gate: Trifft sie zu, brauchst du wahrscheinlich gar keinen Relaunch und kannst dir die folgenden vier sparen.

Checkliste 1: Das spricht NICHT für einen Relaunch

  • Der Grund ist ein Datum oder Intervall („ist mal wieder Zeit“), kein konkretes Ziel
  • Niemand kann aus dem Stegreif sagen, was nach dem letzten Relaunch gemessen oder getestet wurde
  • Zwischen den Relaunches gab es keine kontinuierliche Optimierung (A/B-Tests, kleine Verbesserungen), sondern Stillstand
  • Auf die Frage „Was soll besser werden?“ kommt nur „sieht halt alt aus“ als Antwort
Auswertung: Treffen mehrere Punkte zu, braucht es keinen Relaunch, sondern einen Test- und Optimierungsplan für die bestehende Seite.

Checkliste 2: Struktureller Relaunch

  • Die Website ist über Jahre organisch gewachsen, ohne dass die Struktur mitgewachsen ist
  • Kunden oder Vertrieb geben wiederholt Rückmeldung, dass zentrale Inhalte (Datenblätter, Referenzen, Kontaktwege) schwer zu finden sind
  • Es existiert seit Monaten eine interne Wunschliste an „das müssten wir mal anders machen“-Punkten
  • Funnel- oder Klickdaten zeigen, dass Nutzer zentrale Seiten nicht erreichen oder vorzeitig abspringen
  • Die Probleme wurden per User-Test oder Kundenbefragung bestätigt und nicht nur intern diskutiert
Auswertung: Treffen drei oder mehr Punkte zu, ist ein struktureller Relaunch wahrscheinlich gerechtfertigt.

Checkliste 3: Shop- oder UX-Relaunch

  • Ein Systemwechsel steht an, weil das aktuelle System technisch an seine Grenzen stößt (fehlende Schnittstellen, Lizenzende, Skalierungsprobleme)
  • Zu viele Systeme sind miteinander verzahnt, dass einzelne Änderungen das Gesamtsystem gefährden
  • Eine schwache Conversion-Rate wurde bereits mit A/B-Tests angegangen, aber die iterative Verbesserung stößt an technische Grenzen
  • Der Wechsel ist technisch oder vertraglich erzwungen (End-of-Life-System, auslaufende Lizenz)
  • Du hast Kosten und Nutzen (Wartungsaufwand, Skalierbarkeit) bereits gegenübergestellt und es gibt eine klare Tendenz zu einer Neuaufstellung
Auswertung: Trifft mindestens einer der ersten beiden oder der vierte Punkt zu, ist ein Systemwechsel meist unausweichlich. Der Rest bestätigt, ob UX-Gründe zusätzlich dafürsprechen.

Checkliste 4: Rebranding

  • Das komplette Marken-Look-and-Feel ändert sich unternehmensweit (Logo, Farbwelt, Sprache)
  • Die aktuelle Website-Optik wäre nach dem Rebranding inkonsistent mit dem neuen Auftritt
  • Eine schrittweise Anpassung (nur Farben, nur Logo) würde inkonsequent wirken oder Kunden verwirren
  • Weitere Touchpoints (Social Media, Print, Vertriebsunterlagen) ziehen ohnehin mit
  • Es gibt einen klaren Anlass (Fusion, Repositionierung, neue Zielgruppe), der den Zeitpunkt rechtfertigt
Auswertung: Bei einem echten Rebranding ist die Website-Frage meist nicht „ob“, sondern „wie konsequent“. Treffen mindestens drei Punkte zu, spricht das eher für den Relaunch statt für halbe Sachen.

Checkliste 5: SEO-Relaunch

  • Der Haupttreiber ist wirklich SEO und es steckt kein anderes Ziel dahinter (neues CMS, URL-Struktur, Landingpage-Flexibilität)
  • Das Problem lässt sich nicht durch punktuelle Maßnahmen lösen (Meta-Daten, interne Verlinkung, Ladezeiten)
  • Es gibt gemessene Probleme, die für einen kompletten Neubau sprechen
  • Eine iterative SEO-Optimierung der bestehenden Seite wurde bereits ernsthaft versucht, hat aber nicht funktioniert
Auswertung: Nur wenn alle vier Punkte zutreffen, ist ein eigenständiger SEO-Relaunch tatsächlich gerechtfertigt. Trifft auch nur einer nicht zu, ist es wahrscheinlich kein reiner SEO-Fall. Dann steckt ein anderer Relaunch-Typ dahinter oder das Problem lässt sich noch iterativ oder punktuell lösen.
Unsicher, was zu dir passt?

Nicht jeder Relaunch-Wunsch braucht einen Relaunch. Miss zuerst, was wirklich nicht funktioniert, ordne dein Vorhaben einem der fünf Typen zu und nutze die Checklisten, um mal ganz ehrlich zu prüfen, ob sich der große Neustart lohnt oder Iteration der bessere Weg ist.

Du bist trotzdem noch unsicher, welcher Fall bei Dir zutrifft oder ob sich ein Relaunch überhaupt lohnt? Sprich mit uns und wir schauen uns deinen Case gemeinsam an.

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Philipp Tusch

Über Philipp Tusch

Philipp gründete bereits mit 14 Jahren sein erstes eigenes Unternehmen – ein News-Magazin, das er Jahre später erfolgreich veräußerte. Neben seinem Marketingmanagement-Studium sammelte er zudem praktische Erfahrungen als SEO und Online Marketer in verschiedenen Unternehmen und betrieb weiterhin nebenberuflich erfolgreiche eigene Online-Projekte. Durch sein tiefgreifendes technisches Verständnis kann Philipp Projekte und Strategien bis ins kleinsten Detail planen – ohne dabei das Big Picture aus den Augen zu verlieren.